Zum Inhalt springen

Menschenrechte verteidigen beginnt mit Hinsehen.

Aktuelle Fälle
IGFM Internationale Gesellschaft
für Menschenrechte
Jetzt Spenden

Aleksandr Sneschkow

Aleksandr Sneschkow wurde am 31. Oktober 2022 in Tschita wegen Antikriegs-Aktivismus zu vier Jahren und neun Monaten verurteilt. 

Junger Musiker für Antikriegs-Aktivismus verurteilt

Aleksandr Sneschkow
Geburtsdatum: 23. Juni 2003

Festnahme: 31. Oktober 2022

Inhaftiert in: FKU T GUFSIN Russlands für die Region Tscheljabinsk

Vorwurf: „Sachbeschädigung aus politischem Hass, öffentliche Aufrufe zum Extremismus sowie Rechtfertigung von Terrorismus“

Urteil: vier Jahre und neun Monate Haft in einer Strafkolonie

Aleksandr Sneschkow ist Musiker, Anarchist und politischer Aktivist aus Tschita. Er wurde wegen eines Antikriegs-Graffitis und Veröffentlichungen in kleinen Telegram-Kanälen strafrechtlich verfolgt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er Gewalttaten begangen oder einer bewaffneten Gruppe angehört hat. Sein Fall wird als politisch motiviert und unverhältnismäßig angesehen. 

Festnahme und Verurteilung
Aleksandr Sneschkow wurde am 31. Oktober 2022 in Tschita gemeinsam mit Ljubow Lisunowa und Wladislaw Wischnewski festgenommen. Anlass des Verfahrens war der Schriftzug „Tod dem Regime“, der auf die Wand eines verlassenen Garagenkomplexes gesprüht worden war. 

Auf den ursprünglichen Vorwurf der Sachbeschädigung folgten bald schwerwiegendere Anschuldigungen. Die Ermittler behaupteten, Aleksandr und Ljubow hätten die Telegram-Kanäle „75zlo“ und „Shugan-25“ betrieben, auf denen Beiträge über Antikriegsproteste, Anarchismus, direkte Aktionen, Sabotage und Tierschutz veröffentlicht worden seien. Die Behörden werteten einige dieser Veröffentlichungen als öffentliche Aufrufe zum Extremismus und als Rechtfertigung von Terrorismus. 

Nach seiner ersten Festnahme  kam Aleksandr zunächst unter der Auflage von Reisebeschränkungen frei. Im Januar 2023 wurde er nach einem angeblichen Versuch, Russland zu verlassen, in Untersuchungshaft genommen. Im April 2024 verurteilte ihn das 1. Östliche Bezirksmilitärgericht zu sechs Jahren Haft in einer Strafkolonie. Ljubow Lisunowa erhielt drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe, Wladislaw Wischnewski wurde zu Zwangsarbeit verurteilt. 

Später wurde gegen Aleksandr ein zweites Strafverfahren eröffnet, während er bereits inhaftiert war. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte er mit Zellengenossen über sein erstes Strafverfahren gesprochen und den Text des Beitrags vorgelesen, für den er bereits verurteilt worden war. Die Behörden werteten dieses Gespräch als einen neuen Fall der „Rechtfertigung von Terrorismus“. Zeugen beschrieben ihn, Berichten zufolge, als friedlich und besonnen. Sie bestätigten nicht, dass er andere zu Gewalttaten angestiftet habe. 

Im Oktober 2025 wurde Aleksandr erneut verurteilt. Die neue Strafe wurde teilweise mit der noch offenen Reststrafe aus dem ersten Urteil zusammengeführt. Im Berufungsverfahren wurde das Strafmaß auf vier Jahre und neun Monate reduziert.

Stand: Juli 2026

So können Sie Aleksandr helfen:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein.

Die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sagte der IGFM: „Schreibt Briefe, schreibt an die politischen Gefangenen. Sie freuen sich zum Teil wirklich wie kleine Kinder, wenn sie Post bekommen, man kann es sich kaum vorstellen. Es ist enorm wichtig. Nehmt Euch vor: Einmal in der Woche schreibt jeder eine Karte, damit die Menschen wissen, dass sie nicht vergessen werden“

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Aleksandr Sneschkow. Der Brief sollte auf russisch verfasst werden, um die Zensur zu passieren.

457670, Челябинская область,
г. Верхнеуральск, ул. Северная, д. 1,
ФКУ Т ГУФСИН России по Челябинской области,
Снежков Александр Евгеньевич, 2003 г. р.

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Bitte schreiben Sie an die Botschaft der Russischen Föderation und die russische Ombudsfrau (sog. „Menschenrechtbeauftragte“). Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der/s Gefangenen. 

Russische Botschaft in Deutschland
Botschafter: S. E. Herr Sergej J. Netschajew
Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
E-Mail:  [email protected] 

Ombudsfrau der Russischen Föderation
Jana Lantratowa / Yana Lantratova
Smolenskij bulvar, d. 19, str. 2
119121 Moskau
Russland
 

Anmerkung: Briefe an die russische Ombudsfrau sollten auf russisch verfasst werden.  

Betreff: „Bitte um die unverzügliche Freilassung von Aleksandr Sneschkow  

Sehr geehrter Herr Botschafter Netschajew/ Sehr geehrte Ombudsfrau Lantratowa, 

Aleksandr Sneschkows Fall gibt Anlass zu großer Besorgnis. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe beruhen auf einem Antikriegs-Graffiti an einem verlassenen Gebäude sowie Veröffentlichungen in kleinen Telegram-Kanälen. Handlungen, die als Ausdruck politischer Meinung verstanden werden können, wurden als schwere extremismus- und terrorismusbezogene Straftaten verfolgt und mit einer langjährigen Freiheitsstrafe geahndet.

Besonders problematisch ist, dass Aleksandr faktisch zweimal wegen desselben Sachverhalts bestraft wurde. Menschenrechtsverteidiger weisen darauf hin, dass das zweite Strafverfahren auf Gesprächen über sein bereits abgeschlossenes Verfahren beruhte und keine glaubwürdigen Hinweise auf eine Rechtfertigung von Terrorismus vorliegen. Zudem gibt es den Vorwurf, das zweite Verfahren sei eingeleitet worden, weil er sich geweigert habe, mit der Gefängnisverwaltung zu kooperieren.

Während seiner Haft war Aleksandr wiederholt verschärften Haftbedingungen ausgesetzt und verbrachte mehr als 90 Tage in einer Strafzelle. Berichten zufolge wurde er trotz seines ruhigen und gewaltfreien Verhaltens als „problematischer“ Gefangener behandelt.

Wir fordern die russischen Behörden auf, Aleksandr Sneschkows Fall unabhängig zu überprüfen, seine Haftbedingungen an die internationalen Standards für die Behandlung von Gefangenen anzupassen und sicherzustellen, dass niemand wegen der friedlichen Ausübung seiner Meinungsfreiheit strafrechtlich verfolgt wird. Sein Fall steht exemplarisch für die zunehmende Repression gegen Antikriegsaktivisten und andere kritische Stimmen in Russland und verdient internationale Aufmerksamkeit.

Hochachtungsvoll ,

Machen Sie in den sozialen Medien auf Aleksandr aufmerksam und nutzen Sie diese Hashtags:

#AleksandrSnezhkov #AleksandrSneschkow
#freeallpoliticalprisoners

Teilen Sie diesen Beitrag und setzen sich für Aleksandrs Freiheit ein!

Weitere politische Gefangene in Russland

Walery Perow

Walery Perow wurde im Oktober 2023 von als Elektriker getarnten FSB-Beamten festgenommen und wegen angeblicher Kontakte zur „Legion Freiheit Russlands“ sowie öffentlicher Rechtfertigung von Terrorismus angeklagt. Trotz seiner Bestreitung der Vorwürfe und erheblicher Zweifel an der Beweislage wurde er zu elf Jahren Haft, einer Geldstrafe und einem Jahr Bewährung nach seiner Entlassung verurteilt.

Dmytro Kutscherjawij

Der junge ukrainische Soldat wurde nach Gefangennahme in Russland strafrechtlich u.a. wegen angeblichem Extremismus angeklagt. Aufgrund dieser strafrechtlichen Verfolgung zählen wir ihn zu inhaftierten politischen Gefangenen in Russland und nicht zu Kriegsgefangenen, wie andere inhaftierte ukrainische Soldaten. Dmytro wurde unrechtmäßig zu 29 Jahren und 4 Monaten in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.

Walerij Saizew

Walerij Saizew wurde im Alter von 14 Jahren während einer Tuberkulosebehandlung festgenommen und wegen angeblicher terroristischer Aktivitäten sowie mutmaßlicher Unterstützung der ukrainischen Asow-Einheit angeklagt. In einem nicht öffentlichen Verfahren vor einem Militärgericht wurde er am 16. August 2024 zu vier Jahren und sechs Monaten Haft in einer Jugendstrafkolonie verurteilt.

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben