Eskandari-Grünberg übernimmt Patenschaft

Die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main Dr. Nargess Eskandari-Grünberg übernimmt die politische Patenschaft für den iranischen Schauspieler Hossein Mohammadi. (Foto Eskandar-Grünberg: Katharina Dubno, Stadt Frankfurt am Main)
Hinrichtungen im Iran verhindern
Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg wirbt für das Patenschaftsprogramm der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte
Frankfurt am Main, 14. Dezember 2022 –
Sehr geehrte Journalist:innen,
die anhaltenden revolutionären Proteste im Iran machen Hoffnung auf eine Wende in dem Land. Das Mullah-Regime versucht jedoch, den Widerstand mit brachialer Gewalt zu unterdrücken. Bisher wurden etwa 18.000 Menschen festgenommen und 470 getötet. Außerdem verhängt das Regime Todesurteile gegen politische Gefangene. Zwei Urteile wurden bereits vollstreckt, die Rede ist von etwa 15 weiteren geplanten Hinrichtungen.
„Zu wissen, dass im Iran Menschen die Hinrichtung droht, deren ,Vergehen‘ einzig und allein der Einsatz für Freiheit und Demokratie war, ist unerträglich“, sagt Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg. Deshalb sollte jede Möglichkeit genutzt werden, die Hinrichtungen zu verhindern.
So hätten politische Patenschaften von Politiker:innen aus Bund und Land bereits zur Freilassung, zumindest aber zu Hafterleichterungen von politischen Gefangenen geführt. Eskandari-Grünberg übernimmt auch selbst eine Patenschaft für Hossein Mohammadi, der im Iran im Gefängnis sitzt. Der Schauspieler ist wegen seiner Proteste gegen das Regime im Iran von der Todesstrafe bedroht.
Der 26-Jährige Mohammadi war am 5. November 2022 verhaftet worden und ist mit vier anderen Protestierenden von einem Gericht in Karaj zur Hinrichtung verurteilt worden. „Ich übernehme die Patenschaft auch im Namen von Ehsan Abbasi und Nasrin Jalali, die sich seit Tagen vor dem iranischen Konsulat an der Raimundstraße im Hungerstreik befinden“, sagt Eskandari-Grünberg
Das Patenschafts-Programm für politische Gefangene hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) initiiert. Bei diesem Programm wählen Abgeordnete einen konkreten politischen Gefangenen aus und setzen sich für seine oder ihre Freiheit ein. Das geschieht vor allem dadurch, dass der oder die Abgeordnete sich an den oder die Botschafter:in und die entsprechende Regierung wendet und per Brief Fragen zu dem politischen Gefangenen stellt. Bisher wurden für Inhaftierte in Iran bereits 110 Patenschaften abgeschlossen.
Die dadurch entstehende Öffentlichkeit für die Opfer hat ihre Wirkung in vielen Fällen erzielt, weil die Herrschenden nach außen den Anschein der Rechtsstaatlichkeit erzeugen wollen. Die große Mehrheit der betreuten Gefangenen erfuhr dadurch ganz erhebliche Verbesserungen: Umwandlung von Todesstrafen in Haftstrafen, deutliche Reduzierung der willkürlichen Gefängnisstrafen, Ende von Misshandlungen und vielfach auch Freilassung.
„Die Patenschaften haben Wirkung, sie können Leben retten. Deshalb sollten es mehr davon geben“, sagt Eskandari-Grünberg. Jeder könne etwas tun: „Fordern Sie den oder die Abgeordnete:n ihres Wahlkreises dazu auf, eine Patenschaft zu übernehmen. Jeder kleine Schritt trägt dazu bei, dass das Unrechtsregime im Iran vielleicht schon bald überwunden werden kann.“
Politische Gefangene im Iran
Frei: Schriftsteller Alireza Alinejad
Der iranische Schriftsteller Alireza Alinejad wurde unter anderem wegen "Propaganda gegen das Regime" zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Grund war die Unterstützung seiner Schwester bei politischen und sozialen Aktivitäten. Seine Schwester Masih Alinejad ist eine bekannte iranische Journalistin und Frauenrechtsaktivistin.
Mohammad Hossein Sepehri
Mohammad Hossein Sepehri ist ein iranischer Bürgerrechtler. Im Jahr 2019 setzte er sich im landesweiten Lehrer-Streik für die Rechte von Lehrern ein und wurde daraufhin vom seinem Dienst suspendiert, festgenommen, gefoltert und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.
Frei: Kunst- und Literaturdozentin Negin Ghadamian
Negin Ghadamian ist Kunst- und Literaturdozentin im Iran. Sie wurde im Jahr 2013 festgenommen. Verurteilt wurde sie unter anderem wegen "Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation des Bahá‘í-Kultes" und "Verstoßes gegen die nationale Sicherheit". Am 5. Juli 2020 wurde sie freigelassen.
Frei: Menschenrechtler Arash Sadeghi
Der iranische Menschenrechtler Arash Sadeghi wurde seit den gefälschten iranischen Präsidentschaftswahlen des Jahres 2009 mehrfach verhaftet und zu Haftstrafen und Peitschenhieben verurteilt. Im Mai 2023 wurde er zu insgesamt vier Jahren und drei Monaten Haft erneut verurteilt.
Menschenrechtlerin: Maryam Akbari Monfared
Die dreifache Mutter wurde im Dezember 2009 von iranischen Behörden verhaftet und zu 15 Jahren Haft wegen "Feindschaft gegen Gott" verurteilt. Seit ihrer Verlegung in das weit entfernte Semnan-Gefängnis ist sie unter schlechten Haftbedingungen mit Gewalttätern inhaftiert. Im August 2023 wurde sie zu weiteren zwei Jahren Haft verurteilt.
Frei: Umweltschützerin Sepideh Kashani
Gemeinsam mit sieben weiteren UmweltschützerInnen wurde die Iranerin Sepideh Kashani im Januar 2018 von den Revolutionsgarden verhaftet. Die Aktivisten, darunter auch Kashanis Ehemann Houman Jokar, hatten mit Kameras das Verhalten asiatischer Geparden beobachtet. Kashani wurde im November 2019 unter dem Vorwurf der "Spionage" zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Nargess Eskandari-Grünberg, übernimmt Patenschaft für iranischen politischen Gefangenen

Der iranische Schauspieler Hossein Mohammadi wurde während der aktuellen Proteste im Iran verhaftet und zum Tode verurteilt. Der 26-jährige nahm zuvor an der Trauerfeier zum 40. Todestag von Hadis Najafi in Karaj teil.





