Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Gefahr weiterer Hinrichtungen steigt
196. Tag der Revolution
Berichtszeitraum: 13. Juli 2026 bis heute (21. Jul)
Allgemeine Lage:
In den vergangenen Tagen kam es im Iran erneut zu staatlichen Repressionen und einer wachsenden Zahl dokumentierter Menschenrechtsverletzungen. Während die internationalen Auswirkungen der jüngsten US-Angriffe weiterhin spürbar sind, verschärfen die iranischen Behörden ihr Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung. Berichte über Hinrichtungen, willkürliche Festnahmen und strafrechtliche Maßnahmen gegen Kritiker häufen sich. Gleichzeitig führen wiederholte Einschränkungen des Internetzugangs dazu, dass Informationen über Menschenrechtsverletzungen nur verzögert an die Öffentlichkeit gelangen.
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) beobachtet mit Sorge, dass die angespannte Sicherheitslage zunehmend genutzt wird, um die staatliche Kontrolle auszuweiten und grundlegende Freiheitsrechte weiter einzuschränken. Der folgende Bericht fasst die wichtigsten Veränderungen im Iran vom 13. bis zum 21. Juli 2026 zusammen.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle
Sana Towsangi war 12 Jahre alt und gehörte den Yarsani-Kurden im Bezirk Sanjabi in der Provinz Kermanshah an. Sie wurde am 9. Januar 2026 von hinten mit zwei Kugeln in die Taille und in den Nacken getroffen. Sie erlag noch am Tatort ihren Verletzungen.
Die 39-jährige Zahnärztin und ehrenamtliche Ärztin Mahsa Dezfulian Kermanshahi wurde am 9. Januar 2026 in Karaj in der Provinz Alborz durch einen direkten Schuss eines Scharfschützen getötet. Sie war in der Bevölkerung für ihr humanitäres Engagement und ihre wohltätige Arbeit bekannt, da sie viele bedürftige Patienten kostenlos behandelt hatte.
Jaber Salehi war ein erfahrener Facharbeiter in der Ölraffinerie von Shazand und arbeitete als qualifizierter und professioneller Stahlschweißer. In der Nacht des 9. Januar 2026 wurde er in Shazand, Provinz Markazi, von Schlägern der Regierung erschossen, als er während der Proteste versuchte, das Leben eines Mädchens zu retten.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Die afghanischen Staatsbürger Erfan Esfandiari (18 Jahre) und Gol-Mohammad Mohammadi (23 Jahre) wurden im Zusammenhang mit dem Fall „Ali-Khani-Platz“ in Isfahan verurteilt und gehörten zu den im Januar 2026 festgenommenen Personen. Sie wurden am 19. Juli 2026 hingerichtet.
Das Medienzentrum der Justiz der Islamischen Republik behauptet, dass bei den Protesten am 8. Januar 2026 auf dem Alikhani-Platz in Isfahan vier Angehörige der Sicherheitskräfte getötet wurden. Den Angeklagten wird vorgeworfen, Einsatzkräfte angegriffen, öffentliches Eigentum zerstört sowie die Leichen der Getöteten verbrannt, verstümmelt und die Taten gefilmt zu haben. Diese Vorwürfe konnten bislang jedoch nicht unabhängig überprüft werden. Zudem fehlen transparente Informationen über das Gerichtsverfahren, die Beweislage und den Zugang der Angeklagten zu einer wirksamen Verteidigung. Aufgrund dokumentierter Fälle von Folter und erzwungenen Geständnissen bestehen erhebliche Zweifel an der Einhaltung rechtsstaatlicher Verfahrensgrundsätze.
In den vergangenen Tagen hat die IGFM von zahlreichen Verlegungen verurteilter Gefangener in Einzelhaftzellen erfahren. Gleichzeitig wächst bei Menschenrechtsexperten die Sorge vor der bevorstehenden Vollstreckung weiterer Todesurteile.
Den inhaftierten Alireza Sepahi, Abolfazl Sepahi, Qaem Hosseini, Shervin Bagherian, Amirhossein Safari, Amirhossein Maleki, Ali Dashti, Abolfazl Ebrahimi, Alireza Raeisi und Amirhossein Ebrahimi Analucheh, die im Zusammenhang mit den Protesten vom 8. und 9. Januar festgenommen wurden, droht die Hinrichtung durch den iranischen Staat.
Der Einsatz der Todesstrafe, um Angst und Schrecken zu verbreiten und die Stimmen der nach Freiheit strebenden Iraner zum Schweigen zu bringen, zeugt nach Ansicht der IGFM nicht von der Stärke des Regimes, sondern von der Angst und Verzweiflung einer Regierung, die ihre Legitimität beim iranischen Volk vollständig verloren hat.
Weitere Vorfälle aus dem Iran:
Nachdem Rozhin Mahmoudi gegen die Ermordung ihres Bruders Mahdi Mahmoudi protestiert und in den sozialen Medien Beiträge über die Tat veröffentlicht hatte, wurde gegen sie ermittelt. Sie wurde wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ zu 60 Peitschenhieben verurteilt. Dieses Urteil wurde am 19. Juli 2026 vollstreckt. Die Auspeitschung ist ein Instrument des islamischen Regimes, um Demonstranten zu demütigen und durch körperliche Schmerzen zum Schweigen zu bringen sowie andere einzuschüchtern, die sich gegen die ungerechten Handlungen des Regimes wehren.
Ein exklusiv von HRANA* zur Verfügung gestelltes Video zeigt den Sitz- und Hungerstreik von Häftlingen in der Abteilung Zwei des Rajaei-Shahr-Gefängnisses in Karaj (Alborz Provinz) am Montag, dem 20. Juli, dem achten Tag in Folge ihrer Proteste. Aus Protest gegen die Vollstreckung von Todesurteilen verweigern diese Häftlinge die Annahme der Essensrationen und setzen ihre Demonstration durch eine Sitzblockade in der Halle der Abteilung fort. Sie forderten einen Stopp der Vollstreckung von Todesurteilen und erklärten, dass dieser Streik darauf abziele, ihren Stimmen Gehör zu verschaffen, das Recht auf Leben zu verteidigen und die Aufmerksamkeit auf die Einhaltung der Grundrechte von zum Tode verurteilten Häftlingen zu lenken.
*HRANA ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Virginia, USA, die sich für die Menschenrechte im Iran einsetzt







