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Nikita Uwarow

Der damals 14-jährige Nikita Uwarow wurde nach einer friedlichen Aktion zur Unterstützung politischer Gefangener zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Vom Schüler zum politischen Gefangenen

Nikita Uwarow
Geburtsdatum: 17. August 2005

Festnahme: Juni 2020 in Kansk

Inhaftiert in: Zuletzt in der Strafvollzugsanstalt IK-31, Krasnojarsk; Berichten zufolge in die Untersuchungshaftanstalt SIZO-1, Krasnojarsk, verlegt

Vorwurf: „Terroristische Aktivitäten“

Urteil: 5 Jahre Haft in einer Strafkolonie

Nikitas Leben vor seiner Festnahme unterschied sich kaum von dem anderer Jugendlicher. Er spielte Computerspiele, interessierte sich für Politik und brachte seine Unterstützung für politische Gefangene durch eine friedliche Aktion zum Ausdruck, indem er Flugblätter verteilte. Er war noch Schüler, als er im Juni 2020 gemeinsam mit zwei weiteren Jugendlichen aus Kansk festgenommen wurde.

Vorwurf und Verfahren
Der Kernvorwurf lautete, dass die Jugendlichen eigenständig Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoff studiert und an menschenleeren Orten mit Feuerwerkskörpern experimentiert hatten. Nikita bestritt nicht, mit Pyrotechnik experimentiert zu haben, erklärte jedoch stets, dass er niemals einen Terroranschlag geplant habe. Nach Angaben der Anklageakten waren die Experimente von Neugier und jugendlichem Übermut getrieben, nicht von der Absicht, jemandem Schaden zuzufügen.

Die Ermittlungen stützten sich auf fragwürdige Gesprächsanalysen und Interpretationen privater Nachrichten. Diskussionen über Bücher von Peter Kropotkin und fiktive Waffen wurden als Anzeichen für die Vorbereitung terroristischer Handlungen gewertet. Nach Angaben der Verteidigung wurden einige Zeugenaussagen unter Druck erlangt. Nikita soll während der Haft körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen sein, unter anderem wurde er an der Kehle gepackt. Die Jugendlichen wurden nachts stundenlang verhört und es gab Vorwürfe, dass die Anwesenheit eines Lehrers während der Verhöre in den offiziellen Aufzeichnungen gefälscht worden sei.

Im Februar 2022 wurde Nikita zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seine beiden Mitangeklagten erhielten Bewährungsstrafen, nachdem sie bei den Ermittlungen kooperiert hatten. Nikita, der sich der Anklage wegen Terrorismus nicht schuldig bekannte, erhielt die härteste Strafe.

Nikitas Fall lässt ernsthafte Befürchtungen aufkommen, dass die Behörden versuchen, seine Haft zu verlängern und seine Freilassung zu verhindern. Nikitas Mutter, Anna Uwarowa, hat ihren Sohn aktiv unterstützt und während seiner gesamten Haftzeit versucht, den Kontakt zu ihm aufrechtzuerhalten. Die Kommunikation und Besuche wurden zeitweise eingeschränkt oder unterbrochen, insbesondere wenn Nikita in Strafzellen untergebracht oder zwischen verschiedenen Einrichtungen verlegt wurde.

Kurz vor seinem voraussichtlichen Entlassungstermin wurde ein neues Strafverfahren gegen ihn wegen angeblicher Beteiligung an einer extremistischen Organisation eingeleitet. Berichten zufolge betrifft die Anklage die angebliche Beteiligung an der AUE, einer sogenannten „extremistischen Organisation“.

Leben in Haft und Gesundheit
Nikita hat seit seinem 14. Lebensjahr bereits fünf Jahre in Haft verbracht. Nach Vollendung seines 18. Lebensjahres wurde er von einer Jugendstrafanstalt in eine Strafanstalt für Erwachsene verlegt. In der IK-31 in Krasnojarsk wurde er wiederholt in einer Isolationszelle festgehalten. Berichten zufolge standen einige Disziplinarmaßnahmen offenbar in Zusammenhang mit seiner Kritik am Strafvollzugssystem und seinen Versuchen, seine Würde zu wahren.

Auch seine Gesundheit gibt Anlass zur Sorge. Während seiner Haft wurde bei Nikita eine Lungenentzündung diagnostiziert, weshalb er einige Zeit in den medizinischen Einrichtungen der Haftanstalt verbrachte. Auch wegen anderer gesundheitlicher Probleme benötigte er ärztliche Versorgung.

Stand: Juli 2026

So können Sie Nikita helfen:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein.

Die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sagte der IGFM: „Schreibt Briefe, schreibt an die politischen Gefangenen. Sie freuen sich zum Teil wirklich wie kleine Kinder, wenn sie Post bekommen, man kann es sich kaum vorstellen. Es ist enorm wichtig. Nehmt Euch vor: Einmal in der Woche schreibt jeder eine Karte, damit die Menschen wissen, dass sie nicht vergessen werden“

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Nikita Uwarow. Der Brief sollte auf russisch verfasst werden, um die Zensur zu passieren.

Уваров Никита Андреевич, 2005 г. р.
ФКУ СИЗО-1 ГУФСИН России по Красноярскому краю,
660075, г. Красноярск, ул. Республики, д. 72,
России / RUSSLAND

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Bitte schreiben Sie an die Botschaft der Russischen Föderation und die russische Ombudsfrau (sog. „Menschenrechtbeauftragte“). Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der/s Gefangenen. 

Russische Botschaft in Deutschland
Botschafter: S. E. Herr Sergej J. Netschajew
Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
E-Mail:  [email protected] 

Ombudsfrau der Russischen Föderation
Jana Lantratowa / Yana Lantratova
Smolenskij bulvar, d. 19, str. 2
119121 Moskau
Russland
 

Anmerkung: Briefe an die russische Ombudsfrau sollten auf russisch verfasst werden.  

Betreff: „Bitte um die unverzügliche Freilassung von  Nikita Uwarow

Sehr geehrter Herr Botschafter Netschajew/ Sehr geehrte Ombudsfrau Lantratowa, 

Ich appelliere an Sie, sich für den Fall von Nikita Uwarow einzusetzen und die Wahrung seiner grundlegenden Menschenrechte sicherzustellen.

Nikita Uwarow war erst 14 Jahre alt, als er gemeinsam mit zwei weiteren Jugendlichen aus Kansk festgenommen wurde. Auslöser des Verfahrens waren Flugblätter zur Unterstützung politischer Gefangener und kritische Äußerungen gegenüber den Behörden. Trotz fehlender Beweise für einen geplanten gewalttätigen Angriff wurde gegen ihn ein Terrorismusverfahren eingeleitet und er im Februar 2022 zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Menschenrechtsverteidiger betrachten Nikitas Verfahren als politisch motiviert und verweisen auf schwere Verstöße während der Ermittlungen sowie die unverhältnismäßige Bestrafung eines Minderjährigen. Besonders besorgniserregend ist, dass kurz vor seiner geplanten Entlassung ein weiteres Strafverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, das den Verdacht erweckt, seine Haft verlängern zu sollen.

Ich bitte Sie, den Fall von Nikita Uwarow aufmerksam zu verfolgen, sich für eine unabhängige Prüfung der Vorwürfe einzusetzen und sicherzustellen, dass seine Rechte geschützt werden. Nikita darf nicht wegen seiner politischen Ansichten und einer friedlichen Meinungsäußerung weiterhin verfolgt werden.

Hochachtungsvoll, 

Machen Sie in den sozialen Medien auf  Nikita aufmerksam und nutzen Sie diese Hashtags:

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