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GESCHICHTEN VON VERTRIEBENEN

Silva Verdiyan hat ihren Mann und einen ihrer Söhne während der Kriege um Bergkarabach verloren. Nun musste sie ihre Heimat verlassen und in Armenien neu anfangen. In Zusammenarbeit mit der armenischen Sektion der IGFM teilen wir hier in der Rubrik „Geschichten von Vertriebenen“ die Schicksale geflüchteter Karabach-Armenier. 

Veröffentlicht am: 15. März 2024

Silva Verdiyan stammt aus Stepanakert. Im Jahr 1993 wurde ihr Mann im ersten Karabach-Krieg getötet, ihre Söhne waren damals zwei und drei Jahre alt. Unter Schwierigkeiten hat sie die beiden alleine großgezogen. Während des 44-Tage-Krieges in 2020 verliert Silva dann auch noch einen ihrer Söhne. Sie hatte einige Zeit nichts mehr von ihm gehört, dann wurden Überreste von verbrannten Soldaten von einem Drohnenangriff gefunden und Silva fand über DNA-Analysen heraus, dass ihr Sohn unter den Opfern war.

Später folgte die Blockade des Latschin-Korridors und die Situation wurde noch schwieriger. Doch bis zuletzt hatten Silva und ihre Familie gehofft, Bergkarabach nicht verlassen zu müssen.

Ich wollte Arzach erst am letzten Tag verlassen. Wir dachten, dass es Hilfe geben würde, dass sie uns beschützen würden, aber als die Aserbaidschaner in die Stadt eindrangen, war klar: Wir mussten weglaufen, um unser Leben zu retten.

Die Flucht gelang der Familie unter Schwierigkeiten; über 48 Stunden waren sie unterwegs, mit dabei der vierjähriger Enkel und die schwangere Schwiegertochter. Da sie kein Auto hatten, teilten sie sich auf und flüchteten mit der Hilfe von Freunden. An der Brücke nach Armenien hatte Silva große Angst um ihren anderen Sohn, doch letztendlich kamen sie durch und wurden in Armenien sehr gut aufgenommen.

Heute lebt Silva mit der Familie ihres Sohnes zusammen. Sie leben von staatlicher Unterstützung, doch es sei schwierig die Miete zu bezahlen. Das Haus ist kalt und das Heizen teuer. Silvas Sohn versucht einen Job zu finden, sie selbst kann wegen einer Behinderung nicht arbeiten.

Es war sehr schwer, alles zu verlassen, zu gehen, aber am schmerzlichsten war es, das Grab meines Sohnes zu verlassen.

In ihrem neuen Zuhause hat Silva eine Ecke nach ihrem Sohn benannt. Außer eines Fotos von ihm hat sie bei der Flucht nichts mitgenommen.

Die IGFM-Sektion Armenien hilft heimatvertriebenen Familien aus Arzach im Rahmen einer Erstversorgung. Die IGFM hat dafür direkt nach Beginn der Flucht finanzielle Mittel bereitgestellt. Auch langfristige Unterstützungsprogramme sind geplant.

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