GESCHICHTEN VON VERTRIEBENEN

Zaghik Margaryan hatte sich in ihrer Heimat Bergkarabach ein Zuhause aufgebaut, auf das sie stolz war – heute kann sie sich davon nur noch Bilder auf dem Handy anschauen. In Zusammenarbeit mit der armenischen Sektion der IGFM teilen wir hier in der Rubrik „Geschichten von Vertriebenen“ die Schicksale geflüchteter Karabach-Armenier. 

Veröffentlicht am: 28. März 2024

Zaghik Margaryan schwelgt oft in Erinnerungen an ihr altes Zuhause in Karabach – ein großes, zweistöckiges Haus mit drei getrennten Eingängen, einem Weinberg, Bienenstöcken, Hühnern und Kaninchen. Heute kann sie sich davon nur noch Bilder auf ihrem Handy anschauen.

Zaghik kommt aus dem Bezirk Krkjan in Stepanakert, der direkt an der Grenze zu Aserbaidschan liegt. An dem Tag, als die Schießerei begann, war sie mit einigen Frauen und Kindern aus ihrer Familie bei sich zu Hause. Zusammengedrängt saßen sie beisammen – seit der Blockade gingen die Kinder nicht mehr in den Kindergarten. Zaghik und die anderen Frauen wussten nicht, was sie tun sollten und wo sie sich am besten verstecken könnten. Irgendwie schafften sie es in die Kirche des Ortes, in der es einen Keller gab.

«Einen ganzen Tag lang hörten wir nichts von meinem Mann und meinen Söhnen.»

Durch Herumfragen und Suchen fand Zaghiks Mann die Gruppe. Sie alle hatten großen Hunger. Als die Intensität des Feuers nachgelassen hatte, beschlossen Zaghik und ihre Familie, nach Chodschali zu fahren, wo sich die russischen Friedenstruppen befanden. Doch dort sagte man ihnen, man könne sie nicht beschützen und schickte sie zurück. Die Familie fand Zuflucht im Keller des Stepanakert-Insitituts wo sie für fünf Tage blieb, bis sie sich endgültig zur Flucht aus Bergkarabach entschied.

«Wir überquerten die Brücke voller Angst, wir hatten alle Dokumente verbrannt.»

In Armenien wurden sie sehr herzlich empfangen. Sie kamen zunächst nach Goris, wo sie gezählt wurden, bevor sie über Ghapan dann Eriwan erreichten. Heute wohnen sie in einem Haus in Artaschat in der Provinz Ararat. Zaghik sagt, es sei ähnlich zu ihrem Haus in Karabach. Zwar war ihr altes Haus deutlich gepflegter, doch es gäbe die gleichen Einrichtungen für Tierhaltung und Landwirtschaft. Ihre Kinder haben noch keine Arbeit gefunden. Sie wünscht sich, in ihrem neuen Zuhause Tiere zu halten, Bienen, Hühner und Kaninchen und sich damit zu versorgen. So, wie sie es in ihrer Heimat Bergkarabach immer getan hat.

Die IGFM-Sektion Armenien hilft heimatvertriebenen Familien aus Arzach im Rahmen einer Erstversorgung. Die IGFM hat dafür direkt nach Beginn der Flucht finanzielle Mittel bereitgestellt. Auch langfristige Unterstützungsprogramme sind geplant.

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