Jurij Michejew

Weil er sich offen gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgesprochen hatten, wurde Jurij Michejew zu sieben Jahren in einer Strafkolonie verurteilt.
Junger Antikriegsgegner zu sieben Jahren Strafkolonie verurteilt
Der junge Aktivist Jurij Michejew aus Mytischtschi bei Moskau wird von Vertrauten als überzeugter Antifaschist beschrieben. Seit dem Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine im Februar 2022 positionierte er sich offen gegen den Krieg. Diese politische Haltung geriet ins Visier der russischen Sicherheitsbehörden und resultierte in seiner strafrechtlichen Verfolgung.
Festnahme und Verfahren
Am 11. oder 12. November 2023 wurde der damals 18-jährige Jurij zusammen mit dem Aktivisten Matwei Melnikow auf dem Gelände einer Militäreinheit im Rajon Dmitrowski (Oblast Moskau) festgenommen. Wenige Tage später, am 22. November, inhaftierten Beamte auch dessen Bruder Timofei Melnikow. Alle drei wurden in Untersuchungshaft genommen. Berichten zufolge wurden mindestens zwei der Jugendlichen nach ihrer Festnahme schwer gefoltert, um Geständnisse zu erzwingen.
Die russische Generalstaatsanwaltschaft warf den drei jungen Männern vor, im Auftrag ukrainischer Geheimdienste gehandelt zu haben. Konkret sollen sie beabsichtigt haben, Militärfahrzeuge auf dem Gelände der Militäreinheit Nr. 11291 in Brand zu setzen und sich für Flugabwehrsysteme vom Typ S-300 interessiert zu haben. Menschenrechtler und das unabhängige Projekt „Zone der Solidarität“ betonen jedoch, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine gezielte Provokation durch den russischen Inlandsgeheimdienst FSB handelt. Demnach hatten sich verdeckte Ermittler online als Partisanen ausgegeben, die Jugendlichen kontaktiert und sie zu Handlungen gedrängt, die erst die Grundlage für die Festnahme schufen. Der vermeintliche Sabotageakt wurde zu keinem Zeitpunkt ausgeführt; es kam weder zu Sachschäden noch zu Verletzten.
Der Prozess gegen die drei Aktivisten wurde vor dem Zweiten Westlichen Bezirksmilitärgericht in Moskau geführt. Obwohl das Verfahren formal öffentlich begann, schloss Richter Igor Nikitschuk die Öffentlichkeit kurz vor der Vernehmung der Angeklagten und den Schlussplädoyers aus. Als Begründung wurden vage Sicherheitsbedenken vorgeschoben, um das Verfahren von den Augen der Öffentlichkeit abzuriegeln.
Während des Verfahrens im Juni 2024 weitete der FSB den Druck massiv aus: Im Bekanntenkreis von Jurij Michejew wurden mehrere Wohnungen durchsucht, Freunde wurden zu stundenlangen Verhören mitgenommen, um das Umfeld einzuschüchtern.
Urteil und Haftbedingungen
Am 18. Februar 2025 wurde das Urteil verkündet. Das Militärgericht folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich und verurteilte Jurij Michejew zu sieben Jahren Freiheitsstrafe in einer Strafkolonie mit strengem Vollzug.
Seine Mitangeklagten wurden zusätzlich wegen „Hochverrats“ zu Strafen von 19 bzw. 20 Jahren Haft verurteilt. Dass Jurij das niedrigste Strafmaß erhielt, ändert nichts an der extremen Härte des Urteils für eine Tat, die nie stattfand. Der „strenge Vollzug“ bedeutet für den jungen Aktivisten die Unterbringung in kasernenartigen Baracken, strenge Isolation von der Außenwelt, Zwangsarbeit und minimale Kontaktmöglichkeiten zu Angehörigen.
Stand: Juli 2026


