Anooshavan Avedian

Anooshavan Avedian, Jahrgang 1962, ist ein iranischer Hauskirchen-Pastor, der aktuell auf Grund der Organisation und Leitung einer Hauskirche eine zehnjährige Haftstrafe im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran absitzt. Er wurde wegen sogenannter „Propaganda gegen das System“ sowie „Gefährdung der inneren Sicherheit“ verurteilt. Im Anschluss an die Haftstrafe droht ihm für weitere zehn Jahre der „Entzug der sozialen Rechte“.
Zehn Jahre Haft für die Leitung einer Hauskirche
Anooshavan Avedian ist ein iranischer Pastor und Organisator einer Hauskirche. Am 21. August 2020 wurde er, gemeinsam mit anderen Gläubigen, festgenommen und u.a. wegen angeblicher „Propaganda gegen das System“ verurteilt. Nachdem Anooshavan Avedian zunächst gegen Kaution frei kam, wurde er am 18. September 2023 aus seinem Haus abgeführt, um seine Haftstrafe von zehn Jahren anzutreten. Seitdem befindet sich der Pastor im Evin-Gefängnis in Teheran.
Festnahme und Verurteilung
Knapp 20 Gläubige waren am 21. August 2020 in der Wohnung von Anooshavan Avedian versammelt, als ungefähr 30 Mitarbeiter des Geheimdienstministeriums dort eindrangen und das gemeinschaftliche Gebet unterbrachen. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten sämtliche Bibeln, Mobil-Geräte und Passwörter der Anwesenden, insbesondere auch zu ihren Social-Media-Auftritten. Avedian, der Pastor und Organisator der Hauskirche, wurde gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Gemeinde festgenommen und in das Evin-Gefängnis am Stadtrand Teherans gebracht. Gegen Hinterlegung einer Kaution von umgerechnet beinah 50.000 Euro kam er am 23. September 2020 zunächst wieder frei.
Die Behörden bemühten sich in der Folge, einigen Christen die schriftliche Zusicherung abzuringen, künftig von Hauskirchenversammlungen fernzubleiben und den Kontakt zu anderen Gläubigen abzubrechen.
Am 11. April 2022 wurde Anooshavan Avedian wegen sogenannter „Propaganda gegen das System“ sowie „Gefährdung der inneren Sicherheit“ zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Berufungsinstanz bestätigte dieses Urteil in Abwesenheit rund sechs Wochen später und eine daraufhin folgende Beschwerde wurde letztinstanzlich abgewiesen. Anooshava Avedian wurde am 18. September 2023 von zwei Beamten des iranischen Geheimdienstes bei sich zu Hause, unter Androhung von Gewalt, dazu aufgefordert, seine Haftstrafe anzutreten. Seitdem sitzt er in dem berüchtigten Evin-Gefängnis in Haft. Zusätzlich zu der Haftstrafe droht dem Pastor nach seiner Entlassung für weitere zehn Jahre der sogenannte „Entzug der sozialen Rechte“. Darunter fällt beispielsweise die Einschränkung seiner Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit.
Hintergrund: Christen im Iran
Obwohl Christen zu einer der drei anerkannten religiösen Minderheiten im Iran zählen, verfügt in der Praxis die große Mehrheit von ihnen über keinen Ort für die gemeinschaftliche Praktizierung ihres Glaubens. Als Konsequenz treffen sich viele iranische Christen in ihren Häusern, den so genannten Hauskirchen. Tausende Mitglieder dieser Hauskirchen wurden in den letzten Jahren verhaftet, hunderte von ihnen zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt.
Obwohl die islamische Republik Iran Werte wie Religionsfreiheit, durch die Ratifizierung der Schlüsselabkommen für Menschenrechte der UNO, darunter den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, schützt, belegen Berichte der UN zur Menschenrechtslage im Iran regelmäßig das Gegenteil. In der Tat ist die fehlende Religionsfreiheit nur ein Punkt von vielen, in denen der Iran diese Verträge offen und in einem Ausmaß bricht, wie kaum ein anderes Land der Erde.
Stand: Oktober 2023






