Arash Keykhosravi

Der Anwalt Arash Keykhosravi wurde am 25. September 2023 erneut von der Staatsanwaltschaft vorgeladen und verhaftet. Laut dem Anwalt Mostafa Nili muss er wegen ,,Propagandaaktivitäten gegen das System“ eine einjährige Haftstrafe verbüßen.

Arash Keykhosravi
Verhaftet: 25. September 2023

Anklage: „Propagandaaktivitäten gegen das System“

Urteil: 1 Jahr Haft

Anwalt zu 1 Jahr Haft verurteilt

Der bekannte Rechtsanwalt Arash Keykhosravi wurde am 25. September 2023 ins Evin-Gefängnis gebracht, um seine Haftstrafe anzutreten. Laut Angaben seiner Schwester, liegt der Grund für die Verurteilung in der von Arash und anderen Anwälten unterzeichneten Erklärung mit dem Titel „Die absolute Mehrheit des iranischen Volkes will das System der islamischen Republik nicht mehr!“. 40 Anwälte unterzeichneten die Erklärung, die zu Beginn der landesweiten Proteste 2022 nach dem Tod Jina Mahsa Aminis veröffentlicht wurde. In der Erklärung versicherten die Unterzeichner, dass die iranischen Bürger sich nicht mehr von falschen Versprechungen und betrügerischer Rhetorik täuschen lassen. Der Anwalt Mostafa Nili gab nun bekannt, dass Arash ein Jahr Haft im Evin-Gefängnis aufgrund von „Propagandaaktivitäten gegen das System“ verbüßen müsse.

Freilassung und Wiederaufnahme des Falls

Arash Keykhosravi war am 19. November 2022 festgenommen worden. Im Januar 2023 wurde eine Wiederaufnahme des Falls angeordnet, der später als Fall der „Verteidiger des Rechts auf Gesundheit“ bekannt wurde. Darüber hinaus wurde ein Kautionsbeschluss für die neuen Anklagepunkte, die mit seiner Beteiligung an den Protesten 2022 zusammenhängen, erlassen. Am 6. März 2023 ließ man ihn daher bis auf Weiteres frei.

Zahlreiche Festnahmen in der Vergangenheit

Der Menschenrechtsverteidiger wurde aufgrund seines Einsatzes für Bürgerrechte und seiner Anwaltstätigkeit bereits mehrfach festgenommen. Am 14. August 2021 inhaftierte das Regime eine Gruppe von insgesamt sieben Menschenrechtsverteidigern – darunter fünf Anwälte und einen Journalisten. Hintergrund war, dass Arash Keykhosravi und die anderen Inhaftierten eine Klage gegen die nationale Task force einreichen wollten, die die Einfuhr des Covid-19 Impfstoffs in den Iran behindert hatte. Die Klage richtete sich unter anderem an den Gesundheitsminister und andere Beamte, die für die schlechte Handhabung der Corona-Krise verantwortlich waren.

Im Oktober 2021 wurden Arash und die bekannten Anwälte Mustafa Nili und Mehdi Mahmoudian wegen „Propagandaaktivitäten gegen das System und Bildung einer Gruppe gegen das System mit dem Ziel, die Sicherheit zu stören“ zu zwei Jahren Haft und einem Jahr Berufsverbot verurteilt. Die drei Anwälte verfassten daraufhin einen Brief an den Zentralrat der Aufseher und machten deutlich, dass man in ihrem Fall gegen das Gesetz verstoßen, ihnen die persönliche Freiheit verweigert und das Recht auf Gerechtigkeit behindert habe. Am 25. Dezember 2021 wurde Arash schließlich gegen Hinterlegung einer hohen Kaution freigelassen, nachdem er mehrere Monate unschuldig im Evin-Gefängnis verbracht hatte.

Anwaltsverfolgung im Iran

Die Repressionen gegen Anwälte im Iran zeigt die Anspannung des Mullah-Regimes. Es versucht, juristische Konfrontation durch willkürliche Verhaftungen und Anklagen zu unterbinden. Arash Keykhosravi übernahm zahlreiche Menschenrechts- und Umweltfälle und sprach sich gegen die Verletzung von Bürgerrechten durch die islamische Republik aus. 2018 wurde er erstmalig festgenommen und musste seither willkürliche Inhaftierungen und Urteile fürchten. Auch der bekannte Menschenrechtsverteidiger Mostafa Nili, der mit Arash inhaftiert war, wurde 2022 aufgrund der Verteidigung des Vaters eines hingerichteten Demonstranten festgenommen.

Indem die islamische Republik Anwälte, Aktivisten, Demonstranten und religiöse Minderheiten willkürlich verhaftet und verurteilt, verstößt sie gegen den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte.

Stand: September 2023

So können Sie Arash helfen:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sagte der IGFM: „Schreibt Briefe, schreibt an die politischen Gefangenen. Sie freuen sich zum Teil wirklich wie kleine Kinder, wenn sie Post bekommen, man kann es sich kaum vorstellen. Es ist enorm wichtig. Nehmt Euch vor: Einmal in der Woche schreibt jeder eine Karte, damit die Menschen wissen, dass sie nicht vergessen werden“

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Arash Keykhosravi.

To

Arash Keykhosravi

Evin Prison
Kachoui Alley
Tehran
Islamic Republic of Iran

Bitte schreiben Sie an die Botschaft der Islamischen Republik Iran und den Justizchef in Teheran, Gholamhossein Mohseni-Ejei. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des Gefangenen:

Iranische Botschaft in Deutschland
Botschafter: Herr Majid Nili Ahmadabadi
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Iranischer Justizchef 
Chief Justice Gholamhossein Mohseni-Ejei
The judiciary
Valiasr Avenue, Pastor Avenue, In front of Jami police station
Tehran
Islamic Republic of Iran

Sehr geehrter Herr Botschafter,

mit diesem Schreiben bringe ich meine Besorgnis über die mir vorliegenden Berichte zur Verhaftung des Anwalts Arash Keykhosravi zum Ausdruck.

Arash wurde am 25. September 2023 erneut von der Staatsanwaltschaft verhaftet und ins Evin-Gefängnis verlegt, um seine Haftstrafe anzutreten. Laut dem Anwalt Mostafa Nili muss er eine einjährige Haftstrafe wegen ,,Propagandaaktivitäten gegen das System“ verbüßen. Grund hierfür soll eine von ihm und anderen Anwälten unterzeichnete Erklärung sein, die deutlich machte dass die Mehrheit des iranischen Volkes die Islamische Republik nicht mehr möchte. Er wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach festgenommen, weil er sich für Bürger- und Menschenrechte einsetzte. 

Mit größter Sorge bewegen mich die zahllosen Berichte über Verhaftungen und das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften, die bei mir große Zweifel an der Rechtstaatlichkeit der Justizverfahren aufkommen lassen.

Ich appelliere an Sie, Arash Keykhosravi umgehend und ohne Auflagen freizulassen. Nach internationalen Rechtsstandards hat er in keiner Weise eine strafbare Handlung begangen. Arashs Verhaftung ist willkürlich.

Außerdem appelliere ich an Sie, die Haftbedingungen in einem transparenten Verfahren zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ich bitte Sie herzlich, mir zu schreiben, was Sie unternommen haben.

Hochachtungsvoll

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