Die vergessene Krise

Die aktuelle Situation für ethnische und religiöse Minderheiten im Irak, der Autonomen Region Kurdistan und in Syrien ist weiterhin instabil und ihre Zukunft ungewiss. Khalil Al-Rasho, der Leiter der Humanitären Hilfe Naher Osten der IGFM, war im Februar 2026 erneut vor Ort.
Jesidische und christliche Gemeinden kämpfen nach Jahren von Flucht und Unterdrückung ums Überleben
veröffentlicht im März 2026
Die aktuelle Situation für ethnische und religiöse Minderheiten im Irak/Kurdistan und in Syrien ist weiterhin instabil und ihre Zukunft ungewiss. Geopolitische Umbrüche und neue Machtstrukturen stellen viele Gemeinschaften vor existenzielle Herausforderungen. Die IGFM begleitet diese Entwicklungen vor Ort und leistet Unterstützung dort, wo sie am dringendsten benötigt wird. So reiste Khalil Al-Rasho im Februar 2026 bereits zum 47. Mal in die Region, um die Lage vor Ort zu evaluieren und genau in jenen Gebieten zu helfen, in denen zurzeit nur noch wenige internationale Organisationen aktiv sind.
Khalil Al-Rasho im Interview mit einem kurdischen TV-Sender im Februar 2026
Neue Fluchtbewegungen und rechtliche Unsicherheit in Syrien
Die jüngsten Ereignisse im Nordosten Syriens haben die Verunsicherung unter der Bevölkerung verstärkt. Vor allem Minderheiten wie Jesiden und Christen sind von neuen Fluchtwellen betroffen, wie Khalil Al-Rasho in seinem Interview mit Kurdistan TV berichtet. Auslöser ist der tiefgreifende politische Umbruch in Syrien und der damit einhergehende Machtwechsel. Nach dem Ende der jahrzehntelangen Herrschaft von Baschar al-Assad haben in vielen Regionen islamistische Kräfte die Kontrolle übernommen, die nun eine auf der Scharia basierende Gesetzgebung etablieren wollen. Für die dort lebenden Minderheiten bedeutet dies den Verlust rechtlicher Sicherheit und eine akute Bedrohung ihrer kulturellen sowie religiösen Identität. Besonders gravierend sind die Befürchtungen hinsichtlich der Frauenrechte, da mit den neuen Strukturen eine massive Einschränkung der weiblichen Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Teilhabe droht.
Im Nordosten des Landes gibt es kaum zentral verwaltete Auffanglager. Die Vertriebenen suchen stattdessen dezentral Zuflucht – oft in Schulen, Kindergärten oder leerstehenden öffentlichen Gebäuden. Diese dezentrale Unterbringung stellt internationale Hilfswerke vor logistische Probleme, da es kaum zentrale Anlaufstellen gibt. Die Kapazitäten der kurdischen Selbstverwaltung sind mit der flächendeckenden Versorgung überfordert, wodurch es in den provisorischen Unterkünften an einer verlässlichen Grundstruktur fehlt.
Versorgungsengpässe im medizinischen Sektor
Der Mangel an medizinischer Versorgung ist in der Region ausgeprägt. In Städten wie Amuda und dem Umland sind essenzielle Medikamente kaum noch verfügbar oder für die Bevölkerung unerschwinglich. Betroffen sind davon vor allem Menschen mit Krebserkrankungen oder anderen schweren chronischen Erkrankungen, die auf eine regelmäßige Medikation angewiesen sind. Die IGFM versucht, diese Defizite durch finanzielle Soforthilfen auszugleichen, damit die Betroffenen die benötigten Medikamente weiter einnehmen können.
Alltag in irakischen/kurdischen Lagern: Mobilität und Bildung im Fokus
In der Autonomen Region Kurdistan stellt sich die Situation in den Lagern für Binnenvertriebene ähnlich dar. Viele Menschen können nicht in ihre Heimatregionen zurückkehren und leben seit Jahren in den Camps. Innerhalb dieser Strukturen sind Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen besonders isoliert, wenn es an grundlegenden Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Krücken fehlt.
Die Arbeit der IGFM konzentriert sich vor Ort insbesondere darauf, den Menschen ein Teil ihrer Mobilität zurückzugeben, um eine Grundlage zu schaffen am gesellschaftlichen Leben wieder teilnehmen zu können. In der harten Realität der Lager bietet die Hilfsmittelversorgung oft die einzige Chance auf ein Mindestmaß an Selbstbestimmung. Ohne einen Rollstuhl sind viele Betroffene völlig isoliert und haben kaum eine Möglichkeit, das Zelt zu verlassen oder an den wenigen Bildungsangeboten vor Ort teilzuhaben. Mittelfristig erhöht die eigene Mobilität zudem die Chancen auf eine Beschäftigung, was die Abhängigkeit von externen Hilfsgütern senkt.
Bildung als Fundament für die Zukunft
Ergänzend zu dieser praktischen Alltagshilfe schafft die IGFM verlässliche Zukunftsperspektiven durch die Übernahme von Studiengebühren für junge Geflüchtete. Wie wirksam diese Bildungsförderung ist, zeigt das Beispiel von Subaz Ali: Unterstützt durch die IGFM konnte sie ihr Medizinstudium erfolgreich absolvieren und arbeitet heute als Ärztin, um der medizinischen Unterversorgung in ihrer Heimat aktiv entgegenzuwirken.
Um diese Arbeit fortzusetzen und auch auf die Folgen der neuen Fluchtbewegungen reagieren zu können, ist die IGFM auf Ihre Unterstützung angewiesen. Jede Spende hilft, Menschen vor Ort zu versorgen und bedrohten Minderheiten eine Perspektive im eigenen Land zu geben.
Unterstützen Sie diese Arbeit mit einer Spende für medizinische Soforthilfen, die Bereitstellung von Hilfsmitteln und die Finanzierung von Stipendien.




