Auslieferung russischer Regimekritiker verhindern

Bei Abschiebung nach Russland drohen Julia Emelianova und Mansur Mowlajew Haft, Folter und gewaltsames Verschwinden. Bilder: Wikipedia Common & Google Maps Screenshot
IGFM: Kasachstan muss dringend Auslieferung zweier russischer Regimekritiker stoppen
29. Juli 2026, Frankfurt am Main / Astana – Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), die Konsuln* des exilrussischen Anti-War Committees und das Menschenrechtsprojekt “The Ark” appellieren an Kasachstans Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, die drohende Auslieferung der russischen Antikriegsaktivistin Julia Emelianova und des tschetschenischen Menschenrechtsaktivisten Mansur Mowlajew zu stoppen. Beide sind in Kasachstan in Auslieferungshaft und können jederzeit abgeschoben werden. Nach Einschätzung der IGFM drohen ihnen in Russland Gefängnis, Folter und das gewaltsame Verschwinden.
„Kasachstan bekennt sich in Europa zu Rechtsstaatlichkeit und internationaler Zusammenarbeit. Gleichzeitig sind dort Schutzsuchende in akuter Gefahr, an genau jene staatlichen Strukturen ausgeliefert zu werden, vor denen sie geflohen sind“,
erklärt IGFM-Vorsitzender Edgar Lamm.
Mansur Mowlajew berichtete über Entführungen, Folter und konstruierte Strafverfahren in Tschetschenien und wurde selbst von tschetschenischen Sicherheitskräften verschleppt, mit Elektroschocks gefoltert und misshandelt. Auch seine Familie, darunter sein vor kurzem ebenfalls entführter und vergewaltigter Bruder, ist nach wie vor Verfolgung ausgesetzt. In Tschetschenien sind Kritiker, Menschenrechtsaktivisten und deren Angehörige in großer Gefahr, verschwinden und werden getötet.
Julia Emelianova engagierte sich im St. Petersburger Team von Alexej Nawalny und unterstützte später russische politische Gefangene und ukrainische Geflüchtete. Russische Behorden werfen ihr den angeblichen Diebstahl eines Mobiltelefons im Wert von etwa 130 Euro vor – ihre Verteidigung bezeichnet das Verfahren als politisch motiviert.
Emelianova könnte nach Angaben ihrer Anwälte jederzeit nach Russland überstellt werden. Im Fall Mowlajew hat der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen Kasachstan ausdrücklich aufgefordert, bis zur Entscheidung über seine Beschwerde keine Auslieferung vorzunehmen.
Schicksal nun in der Hand des kasachischen Präsidenten
Präsident Tokajew und die kasachischen Behörden stehen vor der Entscheidung, beide der politisch motivierten Inhaftierung, Folter, sexueller Gewalt, Vergiftung, dem Verschwindenlassen und möglicherweise dem Tod auszusetzen oder ihnen die Ausreise in Drittländer zu ermöglichen.
Kasachstan kann keine engere Zusammenarbeit mit Europa anstreben, wenn es gleichzeitig seine internationalen Menschenrechtsverpflichtungen missachtet. Europa darf dies nicht legitimieren, da sonst alle von Russland verfolgten Personen bei Einreise nach Kasachstan in Zukunft gefährdet sind, an Russland ausgeliefert zu werden.
*Die Konsuln des exilrussischen Anti-War Committees unterstützen im Ausland lebende russische Kriegsgegner, die von Auslieferung oder Abschiebung bedroht sind, indem sie ihre Fälle prüfen und sich öffentlich für ihren Schutz einsetzen.






